laut.de-Kritik

Mit Feelgood-Folk beim Selbstfindungstrip.

Review von

Aus der Wüste Arizonas kommen sie her. Schön und warm ist es da allemal. Doch allzu weit wegbewegt haben sie sich nicht von dort. Das merkt man einigen Songs auf dem zehnten Album von Calexico an. Ist im Grunde nicht schlimm, sie bleiben ja immerhin ihrer Linie und dem Tucson-Desert-Rock treu. Doch etwas weniger melancholische Selbstfindungstrip-Stimmung dürfte an manchen Stellen sein.

Glücklicherweise präsentieren sie direkt am Anfang einen freshen Calexico-Sound. Die gleichnamige Single des Albums "El Mirador" schickt uns musikalisch auf eine Reise nach Südamerika: Tropischer Flair trifft lässig-verruchte Stimmen und gekonnt eingesetzte Gitarren. Fühlt sich an, also ob man in die Welt des kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar taucht und könnte damit der passende Soundtrack zu Narcos sein.

In der zweiten Vorab-Auskopplung "Harness The Wind" gibt es zumindest melodisch unbeschwerten Feelgood-Folk. Sänger Joey Burns träumt "mit Lichtgeschwindigkeit zu fliegen", klagt über "eine Welt voller Probleme" und schluchzt wegen "nie gefundener Antworten". Die finden wir dafür in der Fiesta-Nummer "Cumbia Peninsula". Das Stichwort hier heißt Tanzen – und das hilft ja immer.

Für noch mehr Abwechslung sorgt die englische Uptempo-Nummer "Then You Might See", die mit einem düsteren Anfang daherkommt und danach von der Melodie ein wenig an Major Tom und den James Bond-Soundtrack erinnert. Vielleicht auch nur eine sehr abgespacete, subjektive Wahrnehmung. Doch aufregend ist die Nummer allemal.

"Cumbia Del Polvo" und "El Paso" sind okay, auch wenn letztere Single mit der krächzenden Line "My Love is Blind" vielleicht etwas abgedroschen klingt. Bei der Trompetennummer "The El Burro Song" ist vor allem das Geigensolo gegen Ende herauszuheben. Doch die Trompeten bestimmen den Song und sind mit ihrer Dominanz von Beginn an ziemlich anstrengend. Da freut man sich auf den schönen spanischen Chorgesang im Hintergrund zu "Liberada".

Das letzte Drittel des Albums ist ruhig und melancholisch: Da gibt es das reine Instrumental "Turquoise" und ein nachdenkliches "Constellation", das einen an den Gipfel des Huayna Picchu (liegt in der Inkastadt Machu Picchu) des Selbstfindungstrips bringt. Doch bevor es zum Ende kommt, lockert "Rancho Azul" auf und gibt noch Gas, bevor "Caldera" mit einem viereinhalb-minütigen Trancezustand aus der Platte geleitet. Wobei das auch ganz angenehm ist. Man muss sich nur darauf einlassen.

"El Mirador" ist zwar keine Piñata, aber zeigt, dass sich Calexico treu bleiben: Sie versprühen abwechselnd Feelgood-Vibes und Melancholie. Das ist gut so, wobei ihnen die Experimentierfreude in einigen Songs noch besser steht. Die langen Instrumentals gegen Ende wirken teilweise etwas zäh, umso besser, dass sich die Wüsten-Jungs vor allem im ersten Drittel mehr getraut haben.

Trackliste

  1. 1. El Mirador
  2. 2. Harness The Wind
  3. 3. Cumbia Peninsula
  4. 4. Then You Might See
  5. 5. Cumbia Del Polvo
  6. 6. El Paso
  7. 7. The El Burro Song
  8. 8. Liberada
  9. 9. Turquoise
  10. 10. Constellation
  11. 11. Rancho Azul
  12. 12. Caldera

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2 Kommentare mit 6 Antworten

  • Vor 7 Monaten

    Innovativ mag es nicht sein, aber genau dass was man von Calexico erwartet auf sehr hohem Niveau.

    Is mir auch tausend mal leiber als wenn sie wie auf Garden Ruin damals versuchen sich neu zu erfinden.

  • Vor 7 Monaten

    Was für eine langweilige Scheiße.

    • Vor 7 Monaten

      Exakter lässt sich deine gesamte bisherige Teilnahme nicht zusammenfassen, chapeau!

    • Vor 7 Monaten

      Wagt der es doch glatt, [füge Album hier ein] als langweilige Scheiße zu bezeichnen. Was'n Lappen.

    • Vor 7 Monaten

      Hör mal Schwingo, ein Klick auf die Kommentarhistorie des Gescholtenen hätte dir offenbart, dass ich das jetzt nicht nur aufgrund dieses einen Kommentars an dieser Stelle geschrieben hab. Ich habe nämlich Standards. Standards, die du i.Ü. in letzter Zeit regelmäßig unterläufst in deinem wie hier gezeigten Vorurteil, ich brächte solche Kommentare bloß weil mir der OP in dem einen Moment halt einfach negativ aufgestoßen sei. :rolleyes:

    • Vor 7 Monaten

      Gruß von Edith: Noch dazu mag ich Calexico. Sehr.

    • Vor 7 Monaten

      "Hör mal Schwingo, ein Klick auf die Kommentarhistorie des Gescholtenen hätte dir offenbart"

      Möglich, aber vielleicht hab ich auch nicht Lust wirklich jeden Gelegenheitsuser hier nach mir unliebsamen Äußerungen zu durchsuchen.

      "Standards, die du i.Ü. in letzter Zeit regelmäßig unterläufst"

      Na dann begebe ich mich gleich mal in die Selbstgeißelung, um diese ungeheure Schuld abzubüßen.

      "in deinem wie hier gezeigten Vorurteil, ich brächte solche Kommentare bloß weil mir der OP in dem einen Moment halt einfach negativ aufgestoßen sei."

      Ach komm, dergleichen hab ich nie impliziert. Die Gründe für dein Verhalten kennst du am besten, da mag ich gar nicht groß rumspekulieren. Denke ich trotzdem, dass man Äußerungen auch einfach mal übergehen kann, selbst wenn man im Recht ist? Definitiv.

    • Vor 7 Monaten

      "Noch dazu mag ich Calexico."

      In Ordnung. Aber es soll vielleicht Leute geben, die's nicht mögen. Man könnte fast meinen... den Rest kennst du ja. :D