laut.de-Kritik

Viking Metal, der jeden Metschunkler von der Bierbank blastet.

Review von

Ok, dass nordische Mythologie mit Metal genauso zusammenpassen, wie mit Mittelalter-Mucke, darüber muss wohl kein Met mehr verschüttet werden. Dass auch die Dreierkombination durchaus seinen Charme hat und voll aufgehen kann, beweisen Corvus Corax mit "Era Metallum".

Die Berliner haben sich schon immer als recht umtriebig erwiesen, wenn es darum ging, unterschiedliche Musikstile mit ihrem Sound und ihren Instrumenten zu kombinieren. Fast immer kam dabei ein zumindest ordentliches Ergebnis heraus. Auf dem Doppelalbum "Era Metallum" ist das – wenig erstaunlich – nicht anders.

Schließlich haben sie mit dem ehemaligen Depressive Age-Drummer Norri ein ordentliches Tier hinter der Schießbude. An der Gitarre steht Sami Yli-Sirniö, der nicht nur als Leadgitarrist bei Kreator zeigt, was Sache ist, sondern auch bei Waltari immer noch beweist, dass er mit unterschiedlichen Stilen bestens umzugehen weiß.

Die Single "Beowulf Is Min Nama" dürfte in der Version auf "Era Metallum" jeden Metschunkler von der Bierbank pusten. Da kann sich manche sogenannte Viking Metal Band tatschlich noch eine Scheibe von abschneiden, wie Corvus Corax hier zum Teil durch die Gegend blasten. Auch "Raganarök" macht in der Beziehung keine Gefangenen. Die Fills und Soli, mit denen Sami die Songs garniert, sind wirklich spitzenmäßig.

Aber nicht nur die Vollgas-Nummern machen Spaß. Auch das getragene "Hugin & Munin" gewinnt durch die verstromte Inszenierung enorm an Durchschlagskraft. Da passt auch eine eingängig-tanzbare Nummer wie "Havfru" bestens ins Bild, schließlich packen die Berliner auch hier gern mal den Blastbeat aus und lassen den Kreator-Gitarristen von der Leine.

Tatsächlich sind auf "Era Metallum" nicht nur Neuinterpretationen alter Songs zu finden. Mit dem düsteren "Vikingar" gibt es sogar einen neuen Track, der zwar nicht unbedingt ein Highlight ist, sich aber bestens zu den übrigen Nummern gesellt. Der Ausklang mit "Na Láma-Sa" mag mit dem schleppenden Tempo zunächst etwas verwunderlich anmuten, geht nach hinten mit dem Dudelsack-Solo und den treibenden Drums aber bestens auf.

Vorbei ist es damit aber noch lange nicht, denn sieben Tracks von "Era Metallum" bekamen mit diversen Gastmusikern eine Sonderbehandlung. Und die ist mal mehr, mal weniger gelungen. Bei "Lá I Mbealtaine" ist Blind Guardians Hansi Kürsch mit von der Partie, aber auch der ehemalige Faith No More-Basser Bill Gould und Gitarristin Sonia Anubis von Cobra Spell. Alle drei geben dem Song noch einmal einen eigenen Charme.

Sabina Classen von Holy Moses reißt einem bei "Ragnarök" dann gewohntermaßen die Rübe ab und macht mit ihrer Interpretation nicht nur den nordischen Göttern die Hölle heiß. Könnte man das nur auch von der "Béowulf Is Mín Nama"-Version mit Doro sagen. Bei aller Sympathie für Fau Pesch, aber die Dame zieht Grendel wirklich den letzten Zahn und macht den Song einfach nur – nett.

Auch der einzig neue Song "Vikingar" bekam eine Zweitbehandlung, und zwar mit der isländischen Opernsängerin Arndís Halla. Wer jetzt mit der typischen Trällerelse rechnet, sieht sich zum Glück getäuscht. "Gimli" bekommt eine Alternativ-Version, bei der Waltaris Kärtsy Hatakka seinem Kollegen Sami zur Seite springen darf. Gelungen, möchte ich meinen, zumal man auch Kärtsy von dieser Seite nicht wirklich kennt.

Philipp Bischoff von Damnation Defaced bellt in "Yggdrasill" in Mikro und dass man mit Alan Nemtheanga A. von Primordial in der zweiten Version von "Na Láma-Sa" nichts falsch machen kann, versteht sich wohl von selbst.

Trackliste

CD 1

  1. 1. Intro Gjallarhorni
  2. 2. Gjallarhorni
  3. 3. Sverker
  4. 4. Béowulf Is Mín Nama
  5. 5. Lá I Mbealtaine
  6. 6. Ragnarök
  7. 7. Hugin & Munin
  8. 8. Havfru
  9. 9. Víkingar
  10. 10. Yggdrasill
  11. 11. Gimlie
  12. 12. Na Láma-Sa

CD2

  1. 1. Lá I Mbealtaine
  2. 2. Ragnarök
  3. 3. Béowulf Is Mín Nama
  4. 4. Víkingar
  5. 5. Gimlie
  6. 6. Yggdrasill
  7. 7. Na Láma-Sa

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