laut.de-Kritik

Wollpullover-Stimmung gegen die Kälte.

Review von

Noch steht die Wiederentdeckung der 00er nicht an. Irgendwann aber entdeckt eine neue Generation hoffentlich Sigur Ros, Kashmir, The Album Leaf oder eben die Schönheit von Post-Rock, der in diesem Jahrzehnt einen kreativen Zenit erreichte. Efterklang gründeten ihren Band in diesem Jahrzehnt und klingen immer so, als ob sie das Erbe weitertragen wollen. Zerbrechliche Herbstmusik für Schöngeister, die gerne Nebelwände im Wald fotografieren, die wegfliegenden Zugvögel beobachten oder in Nostalgie eine sehr alte Coldplay-Platte auflegen.

Wie die wohl geklungen hätten, wenn das zweite Album sie nicht in das Super-Universum befördert hätte, kann man sich bei "Hold Me Close When You Can" gut vorstellen. Falsett-Stimme über Klavier und über allem diese sanfte Moll-Grundstimmung, die auch an das grundtraurige Marc Hollis-Album oder Talk Talk erinnert. Wie für die ganze Menschheit gab es auch für die Dänen den Pandemie-Pause-Knopf und die Möglichkeit zur ruhigen Einkehr. So klingt auch dieses Album nach Besinnung auf das Elementare. Natur, Menschen, zum Glück kein Tanzen.

Was so allerdings auch nicht stimmt: "Living Other Lives" lädt absolut zu einem Tänzchen ein und ist einfach ein sehr schöner Pop-Song und natürlich auch arty. Die Bandmitglieder, allen voran Sänger Casper Clausen, arbeiten auch an Oper-Projekten oder wagen eine Zusammenarbeit mit belgischen Percussion-Künstlern.

So etwas lässt angestrengte Kunst-Performance vermuten. In Wirklichkeit ist "Windflowers" sehr leicht hörbar und hangelt sich mit der Jahreszeiten-Thematik durch sämtliche Stimmungen. Ganz trüber November schimmert in "House Of Feather" durch, das schon die Grenze von süß-bitterer Melancholie überschreitet und auf den nächsten Absturz-Soundtrack in die Depression gehört. Nicht unbedingt die teutonische Schwermut-Waldstimmung, eher nach den komisch verwunschenen Bildern, die eben bei skandinavischem Künstler*innen aufkommen. Gebt halt Björk die Schuld dafür.

Minimal-Techno und Art Pop passen übrigens zusammen, wie bei "Abent Sar". The Field steuert kleine Elektro-Sprenkel ein, die an der Kammermusik-Atmosphäre erst einmal alles nanotechnisch verändern, bis über acht Minuten der Raum immer mehr in den konzentrierten Sound von dem schwedischen Künstler flirrt. Die komplette intime Wollpullover-Stimmung vom Anfang transformiert langsam aber unaufhaltsam in den typischen Großstadt-Sound des schwedischen Musikers. Auch den kommenden scheußlichen Winter überstehen wir, dank Efterklang.

Trackliste

  1. 1. Alien Arms
  2. 2. Beautiful Eclipse
  3. 3. Hold Me Close When You Can
  4. 4. Lady Of The Rocks
  5. 5. Dragonfly
  6. 6. Living Other Lives
  7. 7. Mindless Center
  8. 8. House On A Feather
  9. 9. Abent Sar (feat The Field

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