laut.de-Kritik

Vier Maskenmänner auf dem Zenit ihres Schaffens.

Review von

Nur einen Katzensprung von der Ziellinie der ultimativen Ehrenrunde entfernt, legen Kiss dieser Tage noch mal ausgewählte Arenen und Stadien in Schutt und Asche. Wer die finale "End Of The Road"-Tour ein bisschen genauer unter die Lupe nimmt, der wird mit einem bombastisch inszenierten Live-Komplettpaket konfrontiert, das nahezu alle Show-Highlights der vergangenen fast fünfzig Kiss-Jahre auf den Tisch legt. Was einige Alt-Semester jedoch beklagen, ist das glatte Effekt- und Sound-Fundament auf dem die Herren Simmons, Stanley und Co. ihr letztes Feuerwerk zünden. Der dritte Teil der beliebten Bootleg-Serie "Off The Soundboard" hält nun voll dagegen, wischt das Hier und Jetzt mal eben weg und präsentiert die Kabuki-Masters 1977 auf dem Höhepunkt ihres Live-Schaffens.

Die Zeit mal eben 45 Jahre zurückgedreht, thronen Kiss in jenem Jahr ganz oben auf dem Rock-Gipfel. Mit den beiden Bombast-Werken "Destroyer" und "Love Gun" im Schlepptau, einer theatralischen Bühnenshow, die seinerzeit alles in den Schatten stellte und einem unzerstörbaren Vier-Musketiere-Vibe innerhalb der Band lockten Kiss Millionen Fans in die Stadien. Am 29. November 1977 gastierte die Band im randvoll besetzten Veterans Memorial Auditorium in Des Moines (Iowa). Schon der Beginn mit der leicht übersteuerten "You wanted the best ..."-Ankündigung sorgt für Gänsehaut vor den Boxen. Wuchtige Böllerschläge und der treibende Groove des "Love Gun"-Openers "I Stole Your Love" starten ein Live-Erlebnis, das emotionaler, kantiger und spielfreudiger kaum sein könnte.

Völlig unbearbeitet schrammeln geschichtsträchtige Riffs und eine Starchild-Stimme in Bestform durchs heimische Wohnzimmer. Im Vergleich zur massentauglich nachbearbeiteten "Alive II"-Sause präsentieren sich kleine, aber feine Unterschiede. Statt dem schunkelnden "Hard Luck Woman" und der Party-Perle "Tomorrow And Tonight" sind der Rocker "Let Me Go, Rock'n'Roll" und die beiden Stimmungsgaranten "Black Diamond" und "Rock And Roll All Nite" mit dabei. Die Band spielt groß auf, lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie das ekstatische Bad in der Menge genießt und rockt von einem Höhepunkt zum nächsten.

Die berühmten Stanley-Raps kommen punktgenau. Ace Frehley schreddert zum Ende von "Shock Me" ein Gitarrensolo aus dem Spaceman-Anzug, das jeden klassischen Gitarrenlehrer in eine Schockstarre versetzt. Drummer Peter Criss übernimmt später den Staffelstab von Gene Simmons, dessen Basssolo klingt, als hätte Godzilla Migräne. Der Catman beeindruckt mit jazzigen Jungle-Rhythmen, die irgendwann das dämonische Ende des Stampfers "God Of Thunder" einläuten.

Apropos Peter Criss: Wenn das fauchende Kätzchen während der Rockhymne "Rock And Roll All Nite" die Soul-Sau rauslässt und zehn Minuten später schmachtende Kusshände und rote Rosen verteilt ("Beth"), kullert dem einen oder anderen Kiss-Fan der ersten Stunde doch eine Träne der Wehmut über die Wange. Nur zu verständlich.

Trackliste

  1. 1. I Stole Your Love
  2. 2. King Of The Night Time World
  3. 3. Ladies Room
  4. 4. Firehouse
  5. 5. Love Gun
  6. 6. Let Me Go, Rock'n'Roll
  7. 7. Makin' Love
  8. 8. Christine Sixteen
  9. 9. Shock Me
  10. 10. I Want You
  11. 11. Calling Dr. Love
  12. 12. Shout It Out Loud
  13. 13. God Of Thunder
  14. 14. Rock And Roll All Nite
  15. 15. Detroit Rock City
  16. 16. Beth
  17. 17. Black Diamond

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2 Kommentare

  • Vor 20 Tagen

    Beste run-of-the-mill 3-Chord Bar BluesRock Band ever!

  • Vor 18 Tagen

    Grossartiges Live-Dokument, dass mich noch einmal darin bestätigt, 1977 - also im zarten Alter von 10 Jahren - mit dem Kauf der "Shout It Out Loud"-Single (Natürlich die Alive II-Version) in Schauer´s Disko Shop/Hamburg-Rahlstedt die richtige Wahl getroffen zu haben!

    Eigentlich wollte ich damals nur Kraftwerks "Die Roboter" kaufen. Verliess den Laden am Ende aber mit zwei Singles. Kiss & Die Mensch Maschine ... Was hätte da musikalisch noch schief gehen können!?!?