laut.de-Kritik

Härter, komplexer, konsensfähig, aber nie anbiedernd.

Review von

Es gibt nicht viele Bands, die während der Pandemie weiter an Profil gewonnen haben. Trivium schon. Frontmann Matt Heafy war bereits zuvor als musikalischer Twitch-Streamer erfolgreich und konnte dieses Standbein aus naheliegenden Gründen weiter festigen. Mit dem Umbau eines alten Flugzeughangars zum eigenen Venue/Studio/Video-Tempel zeichnete die Band als Ganzes ein mögliches Zukunftsszenario für die Szene vor. Nun stellt sich heraus, dass das Quartett in den vergangenen Monaten auch songschreiberisch zu Hochform aufgelaufen ist. Mit "In The Court Of The Dragon" gehen Trivium den auf "The Sin And The Sentence" und "What The Dead Men Say" eingeschlagenen Weg weiter, übertreffen die beiden Vorgänger dabei aber mühelos.

Man ist schon etwas baff, wenn nach dem von Ihsahn komponierten Intro "X" der Titeltrack mit schnellem Metalcore-Riffing, rasender Doublebass und brutalen Shouts reinbrettert. Nach gut anderthalb Minuten packt Drummer Alex Bent schon die Blastbeats aus, die Saitenfraktion hangelt sich durch komplizierte Riffs, Twists und Feel-Changes als kämen sie gerade aus den "Shogun"-Sessions. Nur: Heafy hat seit 2008 als Sänger einiges dazugelernt und zeigt das auch.

Nie gelang es Trivium besser als auf diesem Album, ihre beiden Seiten – die komplex-aggressive und die melodisch-eingängige – ineinander zu verschränken. Ebensowenig zu kurz kommt der Groove, wie schon recht früh "Like A Sword Over Damocles" und "Feast Of Fire" demonstrieren, beides absolute Headbang-Garanten. In ersterem sind sogar die Gangshouts für die Festivalcrowd schon subtil im Hintergrund mit eingebaut. Thrash-Breaks bringen den Circlepit in Gang. Der im Arrangement clever geöffnete Refrain mit seiner epischen Gesangsmelodie bildet einen Höhepunkt der Platte.

Zu den Highlights zählt auch "The Shadow Of The Abattoir". So etwas wie diese mit einer leicht angefolkten Gitarrenmelodie garnierten Singer/Songwriter-Strophen hat man von Trivium bisher tatsächlich noch nicht gehört. Der Übergang zum heavy Part gelingt reibungslos, Heafy und Gitarrenkollege Corey Beaulieu krönen den Track mit tollem Solo und einem Schluss-Lead zum Niederknien. Hervorragend zur Geltung kommen im Song außerdem orchestrale Details, die sich zwar durch das gesamte Album ziehen, jedoch nie dominant Stücke vereinnahmen, sondern subtil passende Stellen hervorheben.

Als Fluch und Segen zugleich entpuppt sich allerdings Alex Bent am Schlagzeug. Einerseits begeistert der 2017 zur Band gestoßene Drummer mit virtuosen Fills, enormer Flexibilität im Spiel und tollen Einfällen wie zum Beispiel der oben angesprochene Refrain-Öffnung bei "Like A Sword Over Damocles". Andererseits übertreibt er es oft mit seinen Spielereien und prügelt Songs mit zu vielen Schnörkeln und Pattern-Wechseln tot.

Speziell "Fall Into Your Hands" wirkt stellenweise wie Begleitmusik zu einem Drumsolo, weil Bent den Song zumindest im ersten Teil wie einen Showcase für die eigenen Fähigkeiten behandelt, statt eine Einheit mit dem Geschehen um ihn herum zu bilden. Dass Austoben und on point zu trommeln sich nicht ausschließen müssen, zeigt er dagegen in "No Way Back Just Through". Den mit knapp vier Minuten Lauflänge kürzesten Song der Platte gestalten Trivium sehr straight-forward und catchy, bleiben dabei aber in punkto Härte erstaunlich kompromisslos. Ähnlich präsentieren sie sich in "From Dawn To Decadence", wo die maximal brutale Strophe schlüssig im zugänglichen Refrain aufgeht.

Im Vergleich zum Vorgänger gewinnen Trivium sowohl an Härte als auch an Komplexität. Die Band spielt die Stärken verschiedener Schaffensphasen aus und bringt sie besser denn je auf einen Nenner. So ist "In The Court Of The Dragon" konsensfähig, aber nie anbiedernd. Neben den bestehenden Fanlagern könnte das durchaus auch Außenstehende anlocken.

Trackliste

  1. 1. X
  2. 2. In The Court Of The Dragon
  3. 3. Like A Sword Over Damocles
  4. 4. Feast Of Fire
  5. 5. A Crisis Of Revelation
  6. 6. The Shadow Of The Abattoir
  7. 7. No Way Back Just Through
  8. 8. Fall Into Your Hands
  9. 9. From Dawn To Decadence
  10. 10. The Phalanx

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